Das Handelsblatt titelt am Mittwoch “Wovon Anleger besser die Finger lassen sollten”. Hinter dieser Überschrift verbirgt sich eine Liste von Unternehmen, die von Aktionärsschützern als Geldvernichter betitelt werden. Als Beispiele werden die Commerzbank, Air Berlin, Praktiker oder die “118000 AG, vormals varetis, vorvormals GoYellow” genannt. Doch in dem “Schwarzbuch Börse” befinden sich zudem eine Reihe von Solarfirmen wie Q-Cells, Solon und Conergy.
Überraschend ist diese Aufstellung nicht, denn der einstimmige Tenor in den Medien lautet, dass die Solarbranche in einer Krise steckt. Offensichtlich wird das Problem, neben den fallenden Aktienkursen, an dem Insolvenzantrag von den deutschen Solarfirmen Solon und Solar Millennium im Dezember letzten Jahres. Der bereits genannte Konzern Q-Cells konnte diesen Schritt nur durch eine Einigung mit den Gläubigern abwenden. In letzter Minute. Zudem wird die Krise der Branche dadurch deutlich, dass der Stuttgarter Bosch-Konzern seine Pläne für eine Solarfabrik in Malaysia revidiert hat. Der Baubeginn werde verschoben.
Als Gründe für diese Lage werden die schwierigen Marktbedingungen genannt. Diese charakterisieren sich laut FAZ durch Überkapazitäten, drastisch fallende Modulpreise und durch das Angebot staatlich geförderter, aggressiver chinesischer Anbieter. Zur Veranschaulichung der Überkapazität weist die Berliner Hochschule für Technik und Wissenschaft darauf hin, dass die weltweite Produktionskapazität für Solarzellen die Nachfrage um zwei Drittel übersteigt.
Aufgrund des großen Konkurrenzdrucks aus China stellt sich die Frage, ob die Branche in Deutschland vom Förderprofiteur zum Förderopfer mutiert ist. Denn einerseits hat das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das im Jahr 2000 in Kraft getreten ist, die Solarindustrie in Deutschland groß gemacht. Das deutsche Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien regelt die bevorzugte Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Quellen ins Stromnetz, und garantiert deren Erzeugern feste Mindestverkaufspreise. Ein Programm für die Umwelt und für deutsche Unternehmen. Deutschland habe in diesem Zuge zwar das finanziell attraktivste Förderprogramm etabliert, dessen Marktzugang aber nicht beschränkt ist. Folge: “Chinas Marktanteil im Zellen- und Modulgeschäft in Deutschland liegt demnach bei mehr als 60 Prozent. Der deutsche Anteil liege bei weniger als 15 Prozent, Tendenz weiter fallend.”
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