Facebook: Ein Börsenprospekt sorgt für Aufsehen

Ein junger Mann betritt im Kapuzenpulli das Börsenparkett an der Wall Street. Die hastig arbeiteten Menschen würdigen diese Erscheinung mit keinem Blick. Der eine denkt, dass sich der Pizzabote verlaufen hat. Ein anderer ruft: “Was willst du denn hier?”, oder “Aus dem Weg.” Doch bei genauerem Hinschauen handelt es sich bei dem jungen Mann um keinen Unbekannten, sondern um Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Die Börsenwelt hält kurz den Atem an.

Warum? Facebook hat ein Börsenprospekt veröffentlicht. 200 Seiten, deren Publikation dafür gesorgt haben, dass in den USA laufende TV-Programme unterbrochen wurden, ein roter “Breaking News”-Balken ins Fernsehbild geschoben wurde, und sogar die “New York Times” sowie das “Wall Street Journal” hektische E-Mails an ihre Abonnenten verschickt haben.

Folglich könnte man meinen, dass in dem Papier wirklich Neues steht. Doch dem ist nicht so. Vieles ist schon bekannt. Doch der Hype ist damit zu erklären, dass die Spekulationen um den Börsengang ein Ende haben. Zudem wird die Geheimniskrämerei um Facebook ebenfalls als beendet erklärt, da jetzt die Verdienste leitender Angestellten offengelegt werden. Diese befinden sich alle im zweitstelligen Millionenbereich. Zuckerberg selbst könnte bei einem erfolgreichen Börsengang zum 28-fachen Milliardär werden, da der Gesamtwert von Facebook auf 100 Milliarden US-Dollar geschätzt wird.

Der Börsengang im Mai 2012 schöpft seine Faszination zusätzlich daraus, dass ein Unternehmen an die Börse geht, dessen Grundwährung Freundschaften sind. Der Wert der Freundschaften – so viel ist jetzt klar – ist weniger emotional, sondern fünf Milliarden Dollar schwer. Denn “so viel Erlös erhofft sich Facebook von den Firmenanteilen, die bei dem geplanten Börsengang veräußert werden”.

Darüber hinaus offenbart der Bericht laut Spiegel Online das Selbstbewusstsein des Unternehmens: “Fast 200 Seiten umfasst dieses heiß erwartete Papier, samt Statistiken, Grafiken und tiefblauer Facebook-Logos – ein Dokument der Rekorde und Risiken.”

Es geht um vieles: viel Geld. Die User – und insbesondere die über 483 Millionen aktiven Nutzer täglich – werden sich bald zu Recht fragen, welchen Einfluss der Börsengang auf die Nutzung des Social Networks haben könnte. Da hilft es wahrscheinlich auch nicht, dass Zuckerberg in dem Prospekt betont, dass es ihm nicht vornehmlich ums Geld gehe. “Wir entwickeln keine Dienste, um Geld zu machen; wir verdienen Geld, um bessere Dienste zu entwickeln”.

Das glaubt ihm keiner mehr.

© top-boerse.de


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